WIRTSCHAFTSKAMMERPREIS 2007

TRANSFORMATION : WIEN

Transformation und Verlagerung von Wirtschafts- und Innovationsstandorten im Agglomerationsraum Wien

 

   
MitarbeiterInnen

Dipl.-Ing. Dr. Hans Kramar
Verena Riedl
Johannes Suitner
 

Problemstellung

Die Wirtschaft der hochentwickelten Industriestaaten ist seit mehreren Jahrzehnten einem tiefgreifenden Strukturwandel unterworfen, der bei oberflächlicher Betrachtung oft mit dem Begriff „Tertiärisierung“ beschrieben wird. Die Abnahme an Agrar- und Industriebeschäftigten zugunsten der im Dienstleistungssektor arbeitenden Menschen ist jedoch ein sehr komplexer und vielschichtiger Prozess, in dem sich in allen Sektoren grundlegende Veränderungen ergeben.
Dieser tiefgreifende Strukturwandel, der auch in der Agglomeration Wien deutlich zu beobachten ist, lässt sich auf veränderte wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen zurückführen, die sich im Wesentlichen zu drei großen Gruppen zusammenfassen lassen:
  • Geopolitische Lage: EU-Beitritt Österreichs  1995, Schrittweiser Integrationsprozess der Mittelosteuropäischen Staaten, der 1989 - 2004, Globalisierung der Märkte,...

  • Technischer Fortschritt: Elektronische Datenverarbeitung, Telekommunikationssysteme (Mobiles Telefonnetz, Internet, e-services,…), Biotechnologie, Nanotechnologie,...

  • Gesellschaftliche Veränderungen: Veränderte Lebensstile und Werthaltungen

Der Strukturwandel hat massive Auswirkungen auf die Standortanforderungen der Betriebe und drückt sich daher nicht nur in Standortverlagerungen zwischen Staaten und Regionen, sondern auch in einer veränderten räumlichen Verteilung der Unternehmensstandorte innerhalb von städtischen Agglomerationen aus. Vor allem in den neuen Branchen unterscheiden sich die Ansprüche an den Unternehmensstandort deutlich von jenen „klassischer“ Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe, was sich in einer veränderten Nachfrage nach entsprechenden Grundstücken, Immobilen und Büroflächen ausdrückt.
Zum einen führt dies zu einer Verdrängung bestehender Betriebe von ihren ursprünglichen Standorten, zum anderen stehen nicht mehr nachgefragte Büros, Geschäfte und Industrieflächen leer und darüber hinaus müssen auch völlig neue Standorte entwickelt und erschlossen werden.
Diese geänderten Standortpräferenzen der Betriebe haben massive Auswirkungen auf bestehende Stadtstrukturen, die mit herkömmlichen Strategien kaum zu lösen sind. Um in städtischen Agglomerationen eine geordnete Siedlungsentwicklung sowie ein sozial gerechtes und umweltverträgliches Wirtschaftswachstum gewährleisten zu können, muss daher das veränderte Standortverhalten der Betriebe differenziert untersucht werden.
 
Forschungsziele
Als Ausgangspunkt der Analyse wird einerseits die Position des Wirtschafts- und Innovationsstandorts Wien im europäischen Vergleich untersucht und werden andererseits die Ursachen und das Ausmaß des wirtschaftlichen Strukturwandels aufgearbeitet.
Unter Berücksichtigung dieser Rahmenbedingungen und auf Grundlage regionalwissenschaftlicher und wirtschaftsgeographischer Erklärungsansätze werden die veränderten Standortpräferenzen der Wirtschaftsbetriebe im Agglomerationsraum Wien, der sich bis weit über die Stadtgrenzen hinaus erstreckt, eingehend untersucht.
Durch den Vergleich räumlicher Verteilungsmuster unterschiedlicher Wirtschaftsbranchen und deren Änderung in den letzten Jahren sollen allfällige Verschiebungen und Verlagerungen räumlicher Schwerpunkte und lokaler Zentren in Wien und dessen Umland herausgearbeitet und daraus Rückschlüsse auf geänderte Standortanforderungen getroffen werden.
Das Hauptaugenmerk soll dabei auf Veränderungen in den „alten“ Sektoren Industrie und Einzelhandel, in den „neuen“ Wachstumsbranchen „Wirtschaftsdienstleistungen“ und „Creative Industries“ sowie im Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation liegen.
 
Forschungsinhalte

Der Wirtschafts- und Innovationsstandort Wien im europäischen Vergleich
  • Wie sind die Standortbedingungen in Wien für Forschung und Entwicklung sowie innovative Betriebe im Vergleich zu anderen europäischen Städten?

Der wirtschaftliche Strukturwandel im Agglomerationsraum Wien
  • Wie hat sich die Wirtschaftsstruktur in der Agglomeration Wien in den letzten Jahren verändert (Wachstums- und Schrumpfungsbranchen, Betriebsgrößen)?
  • Was sind die wesentlichen Ursachen dieses Strukturwandels? (Geopolitische, technologische und gesellschaftliche Ursachen)

Standortverlagerungen und Verdrängungsprozesse
  • Wo waren die „Hotspots“ der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre? Welche Gebiete haben massiv an Betrieben und Beschäftigten verloren/gewonnen?
  • Wie hat sich die Attraktivität der Wirtschaftsstandorte (Geschäftsstraßen, Businessparks, Gewerbegebiete, Industrieflächen,…) in Wien und Umgebung verändert?
  • Welche räumlichen Verdrängungsprozesse sind zu beobachten? Welche Branchen/Betriebsstandorte wurden wodurch verdrängt? In welchen Gebieten haben sich verdrängte Betreibe angesiedelt?
  • Wie hat sich der Ausbau der U-Bahn auf die wirtschaftliche Entwicklung der umliegenden Gebiete ausgewirkt?

Standortanforderungen ausgewählter Branchen
  • Welche Branchen tendieren zunehmend zur Zentralisierung in den Kernstädten, welche fördern die Suburbanisierungsprozesse im Stadtumland? Was könnten Ursachen für diese Entwicklungen sein?
  • Wo liegen die Zentren von Innovation, Forschung und Entwicklung? Welche Standortbedingungen sind dort erfüllt?
  • In welchen Branchen hat die räumliche Konzentration zu-, in welchen abgenommen? Was könnten Ursachen für diese Entwicklungen sein?

Schlussfolgerungen für die Standortplanung
  • Wie haben sich die einstigen Hoffnungsgebiete der Stadtentwicklungsplanung in den letzten Jahren wirtschaftlich entwickelt? Inwieweit konnten die planerischen Zielvorstellungen realisiert werden?
  • Welche Gebiete sind am besten für künftige Entwicklungen in den unterschiedlichen Branchen geeignet?
  • Mit welchen Instrumenten könnten könnte die Standortplanung im Agglomerationsraum Wien optimiert werden?
 
Dokumentezum Download (pdf)
Projektantrag (85Kb, 6 Seiten)
Zwischenbericht (147Kb, 5 Seiten)
Abschlussbericht (245Kb, 7 Seiten)
Forschungsbericht (Ergebnisse) (6.787Kb, 44 Seiten)

CORP08-Paper: Verkehrsknotenpunkte als Innovationsstandorte? (2.373Kb, 10 Seiten)

© 2007 Hans Kramar, letzte Änderung am 04 │12 │08.